Die Welt in einem Team

Die andere Seite der Medaille

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Allein mit Freiwilligen lassen sich umfangreiche Software-Projekte kaum umsetzen und beständig aktualisieren. Mozilla setzt bei der Entwicklung von Firefox daher auf einen Kern von festangestellten Entwicklern – und die wollen natürlich bezahlt werden. Gemäß der Mozillia-Mission ist der Verkauf des Programms aber keine mögliche Einnahmequelle.

Jeder Euro hilft

Mozilla kann sein Budget damit zwar nicht bestreiten, aber viele kleinere Open-Source-Projekte überleben durch Spenden. Via PayPal oder Patreon könnt ihr den Entwicklern so helfen, Server- und andere Fixkosten zu decken.

Andere Open-Source-Projekte – zum Beispiel diverse Linux-Distributionen – setzen deshalb auf bezahlte Dienstleistungen: Während das Produkt, also das Programm selbst, kostenlos angeboten wird, sind individueller Support und spezielle Services kostenpflichtig. Mozilla hat mit Firefox einen anderen Weg eingeschlagen: Große Suchmaschinenanbieter zahlen dafür, dass sie in den länderspezifischen Varianten des Browsers als Standard-Suchmaschine voreingestellt sind. Nach Mozillas Angaben fließen alle Einnahmen direkt zurück in die Weiterentwicklung und Instandhaltung des Browsers.

Einigen Usern stößt das trotzdem sauer auf, weil es scheinbar im Widerspruch zu Mozillas Mission steht – denn eine vorausgewählte Suchmaschine würde die Möglichkeit der freien Entscheidung behindern. Diese Kritik wiegt aber nicht wirklich schwer, schließlich lassen sich die Suchmaschineneinstellungen ohne Probleme den eigenen Vorstellungen anpassen. Wirklich eingeschränkt wird also niemand.

Auch Open Source scheitert

Wenn es durch Einnahmen aus solchen Kooperationen möglich ist, eine Software wie Firefox auf dem aktuellen technischen Stand zu halten, geschieht das letztlich im Interesse der User. Kleinere, rein freiwillige Open-Source-Projekte laufen jedenfalls Gefahr, wegen mangelnder Beteiligung ein jähes Ende zu finden. Kürzlich ereilte den beliebten MPC-HC Media-Player offenbar ein ähnliches Schicksal. Es kann für Open-Source-Software also problematisch werden, wenn versierte Entwickler fehlen.

Screenshot vom Firefox OS

Open Source ist kein Erfolsgarant: Firefox OS konnte die ambitionierten Versprechen nicht einlösen.  

Quelle: (2015Renaissance)  via Wikipedia Lizenz: CC BY-SA

Screenshot vom Firefox OS

Open Source ist kein Erfolsgarant: Firefox OS konnte die ambitionierten Versprechen nicht einlösen.  

Quelle: (2015Renaissance)  via Wikipedia Lizenz: CC BY-SA

Außerdem kann es auch in Open-Source-Projekten dazu kommen, dass falsche Entscheidungen getroffen oder technische Entwicklungen verspätet aufgegriffen werden. Mozilla ist keine Ausnahme: Das Mobile-Betriebssystem Firefox OS schürte große Erwartungen, die es aber nie erfüllen konnte – die Entwicklung ist mittlerweile komplett eingestellt worden. Auch beim Desktop-Browser gab es Hänger. Während der Konkurrent Chrome schon frühzeitig auf die Vorteile der Cloud, also die Synchronisierung der Userdaten über mehrere Geräte, und eine 64-bit-Unterstützung setzte, wurden diese Features bei Firefox lange stiefmütterlich behandelt.

In einigen Bereichen hat Open-Source-Software darüber hinaus weiterhin einen schweren Stand. Besonders bei der Bild- und Videobearbeitung sind die Unterschiede evident: Platzhirsche wie Adobes 'Photoshop' oder 'Premiere' dominieren das Feld. Open Source bietet zwar Alternativen wie 'GIMP' und 'OpenShot' – um auf Augenhöhe mit der kommerziellen Konkurrenz zu kommen, fehlen ihnen allerdings einige Prozentpunkte.

Aus ideeller Sicht mag Open Source uneingeschränkt begrüßenswert sein, in der Praxis der Entwicklung anwenderorientierter Software muss das Prinzip allerdings auch einige Hürde überwinden.

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